Bericht über das gemeinsame Seminar und die Jugendbegegnung der Landsmannschaft Westpreußen mit dem Bund der deutschen Minderheit in Danzig vom 27. bis 31. März 2009

Erschienen in: DER WESTPREUSSE - Unser Danzig

Haus des Bundes der Deutschen Minderheit in Danzig (M. Stender)

Am 27. März 2009 flogen Martin Stender, Mitglied des Bundesvorstandes der Landsmannschaft Westpreußen und vier Bonner Studenten zu einem mehrtägigen Jugend-Seminar nach Danzig, in dessen Mittelpunkt die gemeinsame Begegnung mit dem Bund der Jugend der Deutschen Minderheit in Danzig und die Teilnahme an der Frühjahrskonferenz der deutschen Vereinigungen in Westpreußen beim Bund der Deutschen Minderheit in Danzig standen.
Am Abend des 27. März wurden die Teilnehmer aus Bonn von Paul Sabiniarz, dem Vorsitzenden des Bundes der Deutschen Minderheit in Danzig, und Rafael Glabikowski, dem Stellvertretenden Vorsitzenden der Danziger Jugendorganisation und des Oppelner Dachverbandes BJDM in deren Sitz in Danzig-Langfuhr begrüßt. Martin Stender leitete kurz in die Thematik der mehrtägigen Veranstaltung ein, und der stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Westpreußen, Hans-Jürgen Schuch, spannte bei dem Rundgespräch: „Von der Ordenszeit zur Landsmannschaft Westpreußen" einen Bogen von den Anfängen der Besiedelung zur Deutschordenszeit über den Einschnitt von Flucht und Vertreibung sowie Gründung der Landsmannschaft Westpreußen im Jahr 1949 bis hin zur politischen Wende in Ost- Mitteleuropa Ende der 1980er Jahre und der Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte, in denen sich wieder Deutsche in den Heimatgebieten als deutsche Volksgruppe bzw. Minderheit organisieren konnten.
Im Anschluß gab es Gelegenheit zur Diskussion und zu einem Stadtrundgang durch das abendliche Danzig sowie zum gegenseitigen Kennenlernen.

Teilnahme an der Frühjahrskonferenz der deutschen Vereinigungen

Im Mittelpunkt des Samstags stand die Frühjahrskonferenz der deutschen Vereinigungen, an der Herr Schuch und Herr Stender als Vertreter der Landsmannschaft Westpreußen teilnahmen. Die Konferenz bot den Teilnehmern einen guten Einblick in die Aktivitäten, aber auch in die Sorgen und Nöte der zahlreichen deutschen Vereinigungen. Besonderer Erwähnung bedarf die Teilnahme des Generalkonsuls Bleicker. Generalkonsul Bleicker kennt die Situation der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen durch seine vormalige berufliche Tätigkeit vor beinahe zwei Jahrzehnten in der Entstehungsphase der deutschen Vereinigungen. Nach einem gemeinsamen abschließenden Mittagessen aller Konferenzteilnehmer und der Gelegenheit zur kurzen Gesprächen wurde das Jugendseminar mit Vorträgen von Helmut Kurowski, Stellvertretender Vorsitzender des VdG und des Bundes deutscher Volkszugehörigkeit mit Sitz in Thorn, über den Dachverband „Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen" (VdG) in Oppeln, dessen Strukturen und seine dortige Vertretung der Westpreußen fortgesetzt. Herr Sabiniarz sprach über „seinen" Danziger Bund, die Stiftung für die Entwicklung Schlesiens, welche die deutschen Vereinigungen mit zu neige gehenden Bundesmitteln finanziell fördert, und seine Tätigkeit im Vorstand der Stiftung. Martin Brand vom Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart (ifa) sprach anschließend über seine Aufgaben als Kulturmanager beim Bund der Deutschen Minderheit in Danzig. Hierzu gehörte die Vorbereitung der deutschen Kinowoche, die am 31. März in der Danziger Universität in Danzig-Oliva eröffnet werden sollte. Das Vortragsprogramm wurde durch eine Präsentation von Rafael Glabikowski über den Bund der Jugend der deutschen Minderheit in Danzig und dessen Aktivitäten mit Hilfe eines „Beamers" abgerundet und durch den Vortrag „Danziger Naturwissenschaftler und ihre Beziehungen zu Europa", von Herrn Kämpfert, den Herr Stender für den verhinderten Referenten vortrug, fortgesetzt. Der Abend ging nach einem langen Tag mit einem fröhlichen Ausklang in den Räumlichkeiten des Danziger Bundes zu Ende.

 

Exkursion zur Marienburg

Jugend aus Danzig und Bonn in der Marienburg (M. Stender)

Der Sonntag wurde als gemeinsamer Exkursionstag aller Teilnehmer genutzt. Die 12 Teilnehmer unterbrachen ihre Fahrt mit einem Kleinbus zur Marienburg zunächst in Praust zur Besichtigung der dortigen Pfarrkirche. Von dort ging es zu einem Denkmal in Sperlingsdorf für gefallene deutsche Soldaten des Ersten Weltkrieges. Das Denkmal steht im Vorgarten eines Privathauses und wurde offensichtlich von dem dortigen Besitzer restauriert, eingefaßt und an gut sichtbarer Stelle aufgestellt. Das Schild der „Westpreussischen Immobilien Feuer-Societät" an der Hauswand deutet ebenfalls auf das historische Interesse des Hausherrn hin. Weiter ging es nach Trutenau zur Besichtigung eines imposanten Vorlaubenhauses, das der Hausherr stolz präsentierte. Er hat eine kleine Ausstellung eingerichtet. Über Käsemark ging es zur Besichtigung der Marienburg. Bei einer deutschsprachigen Führung wurden uns die Historie, Zerstörungen und Wiederaufbau vorgetragen, auch die Diskussion um den Wiederaufbau der Schloßkirche.

Jugend beim Denkmal in Sperlingsdorf (M. Stender)

In unmittelbarer Nähe der Marienburg befindet sich das riesige Freigelände, auf dem ein Massengrab mit mittlerweile über 2500 menschlichen Skeletten entdeckt worden war. Die Teilnehmer stellten mehrere Kerzen am Rande des Geländes zum Gedächtnis an die deutschen Zivilisten, darunter zahlreiche Frauen und Kinder, auf, die ganz offensichtlich nach Kriegsende zu Tode kamen und unbekleidet bestattet worden waren. Was die Teilnehmer besonders bedrückte, waren das Desinteresse der Bundesregierung und die Bergung mit schwerem Gerät durch Nichtfachleute, die jede Untersuchung des Tathergangs nahezu unmöglich machte, sowie die würdelose Abschiebung der Toten aus Marienburg.

Schild der Westpreußischen Feuer-Societät (M. Stender)

Auf der Rückfahrt nach Danzig bestand Gelegenheit, die einzigartigen Weichselbrücken in Dirschau und die Stadt zu erkunden. Nach der abendlichen Rückkehr machten sich noch einige unermüdliche Teilnehmer auf den Weg nach Zoppot, um den ehemals mondänen und nun wieder erblühenden Badeort zu besichtigen.

Stadtführung in Danzig und Besuch im Generalkonsulat

Krantor, Lange Brücke und Mottlau in Danzig (M. Stender)

Der Montag bescherte uns eine intensive, mehrstündige deutschsprachige Stadtführung durch die Rechtstadt und Altstadt von Danzig sowie eine zusätzliche, deutschsprachige Stadtführung des Artushofes durch Christoph Jachimowicz vom Danziger Bund, dem an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich gedankt sein. Gegen Mittag stand ein Termin beim Generalkonsulat in Danzig an. Vizekonsul Mark Strohmenger, der Ansprechpartner für die deutschen Vereinigungen in Wesptreußen und die Projektabwicklung ist, nahm sich reichlich Zeit für ein Gespräch und Fragen der jungen Generation, auch zur Zukunft der deutschen Vereinigungen und deren künftiger Förderung. Der riesige Konsularbezirk reicht von Stettin bis zum südlichen Ostpreußen. Bedauert wird auch von Seiten des Generalkonsulates, daß es in Danzig keinen deutschen oder zumindest zweisprachigen Kindergarten und keine deutsche bzw. zweisprachige Schule gibt. Auch bei Wirtschaftspartnern und deutschen Arbeitnehmern herrscht immer wieder Erstaunen, daß es in einer Stadt wie Danzig keine derartigen deutschen Bildungseinrichtungen gibt, die oftmals eine berufliche Veränderung unter Mitnahme der Familie nach Danzig verhindern oder erheblich erschweren. Hinsichtlich der Ereignisse um das Massengrab in Marienburg folgt das Generalkonsulat den politischen Vorgaben aus Berlin, die eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Polens als EU-Mitgliedstaat und Nato-Partner offenbar verbieten.

M. Stender mit dem Vortand des BJDM Danzig (M. Stender)

Nach der Verabschiedung aus dem Generalkonsulat mit Dank für die gewährte Gastfreundschaft besuchten die Seminarteilnehmer den nahe gelegenen ehemaligen Garnisonsfriedhof auf dem Hagelsberg. Dort befinden sich deutschsprachige Gedenkstätten für die gefallenen deutschen Soldaten der beiden Weltkriege und des deutsch-französischen Krieges, für die Angehörigen der Danziger Schutzpolizei und die Toten des deutschen Kreuzers Magdeburg. Die Jugend des Danziger Bundes sucht die Gedenkstätten häufig auf, stellt Kerzen zum Gedächtnis an die Toten auf und sichert immer wieder Reste von Grabsteinen mit deutschen Inschriften, die auf dem Friedhof gefunden werden.
Vom Friedhof ging es zur Eröffnung der deutschen Kinowoche in der Universität in Danzig-Oliva durch den Kulturmanager Martin Brand vom ifa und Generalkonsul Bleickert. Die Filme der diesjährigen Kinowoche haben Themen der innerdeutschen Grenze und der Teilung von West- und Mitteldeutschland aufgegriffen. Nach einem anschließenden Empfang, an dem auch Studenten des Fachbereichs Germanistik teilnahmen, klang die Reise allmählich aus.
Beim Abflug am nächsten Vormittag wurden zahlreiche schöne Erinnerungen an Westpreußen mit seiner Hauptstadt Danzig und an gute Begegnungen und Gespräche mit jungen Menschen aus Westpreußen mit nach Bonn genommen. Es besteht Einigkeit darüber, daß gemeinsame Veranstaltungen und Begegnungen in der jungen Generation grenzübergreifend fortgesetzt werden sollen, zunächst in Bonn und auch in Münster. Die gelungene Veranstaltung wurde mit Mitteln der Kulturreferentin beim Westpreußischen Landesmuseum, Magdalena Oxfort, gefördert. Dafür ist herzlich zu danken. Für zukünftige gemeinsame Begegnungen und Projekte wird auf weiter Unterstützung gehofft, damit das wertvolle Erbe Westpreußens an die nächste Generation weitergegeben wird und nicht verloren geht.


Martin Stender, 13.05.2009

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