Landesgeschichte Westpreußens

Deutschordensstaat

Die Geburtsstunde Westpreußens und des gesamten späteren Preußens fällt in das Jahr 1225, in dem Herzog Konrad von Masowien den Deutschen Orden um Hilfe im Kampf gegen die zu christianisierenden Pruzzen bittet und ihm als Gegenleistung das Culmer Land verspricht. In den Folgejahren erobert der Orden entlang der Weichsel das gesamte Preußenland, das ihm 1234 in der päpstlichen Bulle von Rieti zugesprochen wird. Dies sind die Jahre, in denen die bedeutendsten Städte des späteren Westpreußens gegründet werden, so 1231 Thorn, 1233 Culm und 1237 Elbing. Danzig hatte bereits 1225 das lübische Stadtrecht erhalten. Neben den bedeutenden Stadtgründungen fällt in das 13. Jahrhundert die Entstehung des wohl berühmtesten Wahrzeichens Westpreußens, der Marienburg an der Nogat; ab 1309 war sie der Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens. Ihre Errichtung, aus dem sie als heute größter Backsteinbau Europas hervorging, dauerte bis ins 15. Jahrhundert an. Weitere hervorzuhebende Ordensburgen waren und sind u.a. die „Insula sanctae Mariae" in Marienwerder sowie Rehden bei Graudenz. Seine größte Ausdehnung erreichte der Ordensstaat im Jahre 1402 mit 170.000 km² nach dem Kauf der Neumark. In dieser Zeit gehörte auch das Gebiet des später westlichsten Landkreises Westpreußens, Deutsch Krone, zu diesem Territorium, das sich von Reval im Norden entlang der Ostsee bis zur Oder im Westen erstreckte. Dieser Höhepunkt in der Entwicklung des Deutschen Ordens markiert jedoch gleichzeitig Ihren Wendepunkt, da er auch seinen Niedergang einleitete. Markante Punkte sind hierbei die Schlacht von Tannenberg 1410, die beiden Friedensschlüsse von Thorn 1411 und 1466, sowie 1440 die Gründung des Preußischen Bundes, der sich 14 Jahre später vom Orden lossagte und sich der polnischen Krone zuwandte.

Gründung des Herzogtums Preußen und der Provinz Westpreußen

Thorner Rathaus (M. Stender)

Ende dieser Entwicklung war 1525 die Säkularisierung des verbliebenen Ordensstaates - er entsprach in etwa dem späteren Ostpreußen, ohne das Ermland, mit Marienwerder und Umgebung. So entstand das Herzogtum Preußen, ein polnisches Lehen, welches dem letzten, nun protestantischen Hochmeister Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach unterstand. Der Großteil des späteren Westpreußens gehörte schon seit 1466 als Preußen Königlichen Anteils zu Polen. Eine der wohl bedeutendsten deutschen Persönlichkeiten in Polnisch-Preußen war der Schlesier Martin Opitz, der im polnischen Staatsdienst stand und hier in Thorn und Danzig lebte; seine letzte Ruhe fand er, mit 41 Jahren der Pest erlegen, in St. Marien zu Danzig. Im Jahre 1618 ging die Regentschaft im Herzogtum durch Heirat an die brandenburgische Linie der Hohenzollern über und 1701 wurden die bisher in Personalunion regierten Gebiete durch die Krönung Friedrichs III. von Brandenburg zu „Friederich I. in Preußen" in Königsberg zum Königreich Preußen vereint. Noch im selben Jahrhundert vergrößerte das preußische Königreich sein Territorium im Zuge der drei polnischen Teilungen 1772, 1793 und 1795. Schon die erste führte zur territorialen Verbindung des späteren Ostpreußens mit Pommern. Das neugewonnene Gebiet zusammen mit dem marienwerderschen Raum erhielt den Namen Westpreußen, während das östlich gelegene ältere Gebiet des ehemaligen Restordensstaates die Provinz Ostpreußen bildete, die durch das wiedergewonnene Ermland komplettiert wurde. Bis 1807 gehörte von nun an der gesamte Netzedistrikt mit Bromberg zu Westpreußen. Das Jahr 1793 führte zur Vervollständigung der Weichselprovinz durch die nun für Preußen gewonnenen Städte Thorn und Danzig.

Von der französischen Okkupation zur Industrialisierung

Ein typisch westpreußisches Vorlaubenhaus in Trutenau (M. Stender)

Letztere wurde 1815 zur Provinzhauptstadt, nachdem Napoleon versucht hatte, Preußen u.a. durch die Gründungen der Republik Danzig und des Herzogtums Warschau, dem südliche Teile Westpreußens zugeschlagen wurden, zu schwächen, jedoch scheiterte. Im Rahmen der folgenden Umstrukturierung wurde der Netzedistrikt zwischen den preußischen Provinzen Westpreußen und Posen aufgeteilt. Von 1829 bis 1878 bildeten West- und Ostpreußen gemeinsam die Provinz Preußen. Die im 19. Jahrhundert ganz Deutschland erfassende industrielle Revolution war in Westpreußen zwar nicht derart spürbar wie im Ruhrgebiet oder oberschlesischen Industrierevier, vollzog sich jedoch auch an der Weichsel, vor allem im Danziger und Elbinger Raum. Der wohl bedeutendste Repräsentant dieser Entwicklung waren die 1837 gegründeten Elbinger Schichau-Werke des Ferdinand Schichau, der bis zu seinem Tode 1896 ein regionales Wirtschaftsimperium errichtete mit Niederlassungen in Danzig, Königsberg und Pillau. Neben Schichau sei als Beispiel für die Industriestadt Elbing auf die Nutzfahrzeugproduktion der Komnick AG verwiesen. Jedoch darf das 19. Jahrhundert in Westpreußen auch in kultureller Hinsicht nicht unbeachtet bleiben, war es doch geprägt durch die Gründung der Liedertafeln, so der ersten 1822 in Danzig, deren berühmtestes Mitglied Joseph Freiherr von Eichendorff war.

Das 20. Jahrhundert

Das schicksalhafte 20. Jahrhundert begann zunächst nichts Böses ahnen lassend. Im Jahre 1901 wurde ein Westpreuße mit dem ersten Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet: Der 1854 in Hansdorf bei Rosenberg geborene Emil von Behring erhielt die Auszeichnung mit internationaler Geltung für seine Errungenschaften für die Serumtherapie. Im Laufe des Jahrhunderts gingen zwei weitere Nobelpreise an westpreußische Preisträger: 1920 der für Chemie an Walther Nernst aus Briesen und 1999 der für Literatur an Günter Grass aus Danzig-Langfuhr. Jedoch wurde das vergangene Jahrhundert nicht weniger durch Preise und Auszeichnungen als durch die beiden Weltkriege und deren Folgen geprägt: In Folge des Vertrages von Versailles wurde Westpreußen gevierteilt: Den nördlichen Zipfel der Grenzmark Posen-Westpreußen bildeten die Landkreise Deutsch Krone, Flatow sowie zum Teil Schlochau; das Gebiet der Landkreise Elbing, Marienburg, Marienwerder, Rosenberg und Stuhm (bzw. Teile von ihnen) kam als neu gebildeter Regierungsbezirk Westpreußen zu Ostpreußen; die ehemalige Provinzhauptstadt Danzig wurde mit einem größeren Umland zur Freien Stadt Danzig erklärt; das verbleibende Herzstück Westpreußens wurden in den neu gebildeten polnischen Staat eingegliedert. Zur Zeit der Okkupierung Polens durch Deutschland 1939 – 1945 bildeten die Freie Stadt Danzig, der Regierungsbezirk Westpreußen, der polnische Korridor sowie nördliche Teile des ehemaligen Posens den Reichsgau Danzig-Westpreußen. Während und nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden tausende Westpreußen aus Ihrer angestammten Heimat vertrieben und durch das Potsdamer Abkommen die deutschen Gebiete in den Grenzen von 1937 unter polnische Verwaltung gestellt – somit auch die westpreußischen Gebiete westlich und östlich des Korridors. 1990 besiegelte der Zwei-Plus-Vier-Vertrag ihre endgültige Abtrennung von Deutschland.

 

Tilman Fischer, Dortmund, den 7. Juli 2009

 

Quelle:

http://www.preussen-pommern.de.tl/Geschichte-des-unetern-Weichsellandes.htm

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